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Auf einem Weg ins Lehrhaus
Leben und Denken mit Israel
Friedrich-Wilhelm Marquardt denkt, praktiziert und lehrt eine christliche Theologie neu, die an den langen Irrwegen zur Schoah mitgedacht, mitgelehrt
und
mitgearbeitet hat. Vorbereitet hatte den Genozid auch eine christlich unterfütterte Judenverachtung sowie eine Unkenntnis und Gleichgültigkeit
gegenüber der Vielfalt der jüdischen Religion und Kultur. Friedrich-Wilhelm Marquardt gehört zu den wenigen Theologen, die neue Wege gesucht und
gegangen sind. Weitgehend hatte die christliche Theologie aller
Konfessionen und Frömmigkeitsstile gemeint, zu wissen, was jüdisch und Judentum sei, ohne den Reichtum jüdischer Selbstverständnisse zur Kenntnis
zu nehmen. Marquardt entwickelt und überprüft kritisch seine theologischen Traditionen und seine breite kirchliche Praxis im ständigen Gespräch
mit Jüdinnen und Juden aus Vergangenheit und Gegenwart. Der vorliegende Sammelband gibt einen Einblick in wichtige Stationen dieses innovativen Weges.
Das christliche Feindbild vom Judentum macht sich häufig fest an einem Bild vom Pharisäer oder vom Talmud. Marquardt entmythologisiert und
korrigiert diese Projektionen. Er macht den Schatz der in beiden aufbewahrten Hermeneutik und Auslegung der Bibel deutlich. Die Hoffnung Israels
ist auch die Hoffnung der Völker, weil es die Wege des Gottes Israels mit seiner Schöpfung sind. Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden deutlich.
2009, 304 Seiten, Maße: 23 cm, Kartoniert (TB), Deutsch
Lembeck
ISBN-10: 3874765857
ISBN-13: 9783874765855
16.80 EUR*
Selected essays by Friedrich Wilhelm Marquardt, edited by Andreas Pangritz and Paul S. Chung;
So lautet Friedrich-Wilhelm
Marquardts evangelisches Lob der Tora: "Sie macht uns Gott sinnlich bis an den Leib heran und in unseren Leib hinein,
indem sie uns entsprechende
Weisungen gibt … Wie fremd uns das doch ist! Recht und Gesetz als Mittler zwischen Gott und uns Nichtjuden – konkrete
Gebote und regelmäßige
Ordnungen als Stoff für unsere Religion! Gerade wir Evangelischen haben das bisher immer ganz anders gehört
und gelernt."
Rudi Dutschke soll nicht für das Christentum vereinnahmt werden. In Marquardts Essay
geht es um die Bedeutung der christlichen Tradition für Rudi Dutschkes: "Ich bin ein Sozialist,
der in der christlichen Tradition steht. Ich bin stolz auf diese Tradition. Ich sehe Christentum
als einen spezifischen Ausdruck der Hoffnungen und Träume der Menschheit."
Oder wie er 1958 in einem Brief an den Direktor seiner Schule schrieb: "Wenn ich auch an Gott
glaube und auch nicht zur Volksarmee gehe, so glaube ich dennoch, ein guter Sozialist zu sein."
Der Berliner Theologe Friedrich-Wilhelm Marquardt (1928-2002) hat während eines Aufenthaltes im Krankenhaus (1999) eine kurze
Erläuterung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses verfasst, gegliedert in die drei Hauptstücke:
"Gott - Jesus - Geist und Leben".
Marquardt durchdenkt darin "Christsein und kirchliche Lehre heute". Er schöpft dabei aus seiner intensiven Zuwendung zu den biblischen
und jüdischen Quellen.Seine Aufzeichnungen hat er selber so überschrieben:
"Ein kleiner Katechismus zur Selbstvergewisserung über das Christsein und die kirchliche Lehre heute: nach Auschwitz. Den Gemeinden
Jesu zur Stärkung - der Öffentlichkeit zur Information."
Was Marquardt auf 43 Blätter notiert hat, liest sich wie die Summe seiner Arbeit als Prediger und Theologe - wie 43 Aphorismen
einer christlichen Glaubenslehre.
»Die hier gesammelten Aufsätze und Vorträge sind Beispiele für einen Lernprozeß, darum stelle ich sie
unter den Titel ›Auf einem Schul-Weg‹ und möchte sie als ›Lerneinheiten‹ weitergeben. Beim Judentum ›lernen‹ scheint
mir eine für Christen angemessenere Aufgabenstellung zu sein, als das, was unter der allzu unbesonnenen und längst zu
einem leeren Markenartikel gewordenen Überschrift eines ›christlich-jüdischen Dialogs‹ allerorten propagiert wird. Ohne
elementares historisches und theologisches ›Lernen‹ sehe ich keine Aussichten, weiterzukommen.«